FANDOM


Folgendes Buch wurde rezensiert: Hüter der Erinnerung

Hüter der Erinnerung


Gleichheit — Eine Welt. Aufgeteilt in Gemeinschaften. Perfekt durchorganisiert. Frieden. All das klingt erstrebenswert. Möchtest du in ihr leben?

Jonas lebt in einer perfekten Welt, in der alles durchorganisiert ist. Eine Welt mit klaren Regeln, in der jeder seinen Beitrag zur Gesellschaft leistet. Während ich dieses Buch gelesen habe, entstanden vor meinem geistigen Auge Pro-&-Contra-Listen, Verleiche zwischen meiner Welt und seiner und ethische Fragen kreisten in meinem Kopf.

Kann ein Kind bereits ab zwölf arbeiten? Kommt man ohne Liebe aus? Ist Individualität gefährlich? Sollte man vor dem Wissen einer schlimmen Vergangenheit verschont werden?

Genau genommen ist der Roman zuallererst kein Science Fiction. Er ist eine einzige Metapher. Er gibt uns nicht im Laufe der Geschichte hie und da ein paar Fragen mit auf den Weg; er ist die Frage selbst. Der Roman ist eine Gesellschaftskritik. Er stellt aus seinem Ganzen Sein heraus die Frage, wie wir leben wollen, wie wir leben sollten und wie kompromissbereit wir dafür sind.

Der Roman hat kaum Handlung, ohne dass sie einen genauen Grund hat. Es ist wie eine moralisch-gesellschaftskritische Diskussion in Romanform.

Das Bemerkenswerte, was ihn von anderen Science-Fiction-Romanen unterscheidet, ist, dass, was an sich noch nichts verwunderliches wäre, aus einer Utopie zwar eine Dystopie wird, es hier aber keinen böswilligen Ursprung gibt, dem es im Zeitpunkt der Erkenntnis zu bekämpfen gibt, sondern nur eine überaus bedauerliche Fehlentscheidung und ebenso bedauernswerte Menschen, die mit dieser Fehlentscheidung unwissentlich leben und schließlich damit konfrontiert werden und klarkommen müssen.

Fazit:
Ein Buch, das einen ständig seine eigene Welt infrage stellen, Gegebenes und eigene Einstellungen überdenken lässt und zu einem Was-wäre-wenn beim Lesen anregt