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Folgendes Buch wurde rezensiert: Die Säulen der Erde

Cover von Die Säulen der Erde


Ken Follett schafft mit seinem Mittelalter-Roman ein Buch, das so komplex ist, dass man all seine Themen kaum in einem Satz zusammenfassen kann - geht es um Kirchenbau, Machtkampf oder den Alltag der Briten des 12. Jahrhunderts? Das Buch schafft ein so umfassendes, buntes Bild dieser Zeit, dass man beim Lesen das Mittelalter-Flair scheinbar spüren kann.

Im Fokus des Romans steht die fiktive Stadt Kingsbridge, die ein Bischofssitz und eine der größten und wichtigsten Prioreien im Land ist. Über mehrere Jahrzehnte hinweg begleitet man verschiedene Einzelschicksale, die jedoch miteinander verknüpft werden: den armen Baumeister Tom Builder, der davon träumt, eine Kathedrale zu bauen, Philip, den frommen Prior von Kingsbridge, Aliena, die willensstarke Waisentochter des in Ungnade gefallen Grafen Bartholomäus von Shiring, die ihren Bruder zum Grafentitel verhelfen will, Jack Jackson, den begabten Sohn der vogelfreien Frau Ellen und William Hamleigh, den brutalen Sohn einer Landadelsfamilie. Immer wieder aufgegriffen wird die mysteriöse Hinrichtung von Jacks Vater, die erst am Ende aufgeklärt wird. Gerade die weiblichen Figuren erfüllen hierbei nicht das Klischee der mittelalterlichen, unterwürfigen Frau. Zum Glück verfällt die Erzählung dennoch nicht in typische Frauenroman-Muster.

Trotz dieser Vielfalt an Charakteren dreht sich die Haupthandlung um die Errichtung der neuen Kathedrale von Kingsbridge, was Prior Philip regelmäßig vor Probleme stellt, da die Hamleighs und der verfeindete Bischof Waleran ihm immer wieder Steine in den Weg legen. Jedoch endet die Geschichte nicht mit ihrer Fertigstellung: Viel mehr wird der Machtkampf zwischen den verschiedenen Parteien im England des 12. Jahrhunderts thematisiert, um schließlich Gerechtigkeit zu finden. Die unterschiedlichen Perspektiven ermöglichen ein umfassendes Bild der Ereignisse. Zwar sind die Figuren und Orte frei erfunden, doch baut Follett echte historische Umstände ein, z.B. den Nachfolgekrieg des Königshauses und die Verbreitung der Gotik. Durch detailreiche Beschreibungen wirkt das Buch nicht platt, ohne vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen.

Fazit:
Ein absolut großartiges Buch, das man ruhig mehrmals lesen kann, weil man jedes Mal etwas Neues entdeckt. Auch für Freunde des Hörbuchs gibt es Möglichkeiten - ich empfehle hierbei die (leider gekürzte) Fassung gelesen von Joachim Kerzel, da dieser die Stimmung des Romans perfekt einfängt.